WORMS. Eigentlich waren sich Jean-Luc und Frederic Busch nach ihrem Länderspiel-Debüt im Juni sicher: Mehr kann in dieser Saison kaum noch kommen. Die ersten internationalen Einsätze beim Drei-Nationen-Turnier in Mainz waren bereits ein Moment, der für die beiden Beachhandball-Schiedsrichter der HSG Worms kaum zu begreifen war. Dort standen sie erstmals bei Spielen zwischen dem späteren Weltmeister Deutschland, Schweden und Norwegen auf internationaler Bühne.
Doch der Beachhandball hatte für die Brüder noch ein weiteres Highlight parat.
Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Geislingen an der Steige erhielten die Wormser die Ansetzung für das Finale der weiblichen B-Jugend zwischen den Strandperlen Youngsters Hamburg und den Brüdern Ismaning. Ein Endspiel, das alles bot, was den Beachhandball ausmacht. Hamburg gewann den ersten Satz mit 26:24 im Golden Goal, Ismaning antwortete im zweiten Satz mit einem 18:14. Die Entscheidung um die Deutsche Meisterschaft fiel schließlich erst im Shoot-Out, das die Ismaningerinnen mit 5:2 für sich entschieden.
Für die beiden Schiedsrichter wurde das Finale zu einer außergewöhnlichen Herausforderung. „Es war wirklich eines dieser Spiele, in denen gefühlt alles passiert ist, was überhaupt passieren kann“, sagt Frederic Busch. „Ein kompletter Regeltest. Viele Situationen, die man normalerweise über mehrere Turniere verteilt erlebt, kamen in diesem einen Spiel zusammen.“
Auch die Atmosphäre sorgte für Gänsehautmomente. „Eine voll besetzte Tribüne, Zuschauer rund um den Center Court, die große Einlaufzeremonie mit Vorstellung aller Beteiligten und Nationalhymne sowie die deutschlandweite Übertragung per Livestream. Da merkt man schon, welche Bedeutung so ein Finale hat“, ergänzt Jean-Luc Busch.
Doch als die Brüder Busch die zahlreichen Herausforderungen auf dem Spielfeld bereits meisterten, folgte die nächste unerwartete Prüfung: Mitten in der Partie fiel die Funkverbindung ihrer Headsets aus. Von einem Moment auf den anderen war die direkte Kommunikation nicht mehr möglich.
Was zunächst wie ein Problem wirkte, entwickelte sich zu einer kleinen Reise in die Vergangenheit. Statt über die Technik mussten sie sich ausschließlich über Blicke, Gesten und Handzeichen verständigen.
„Plötzlich war es wieder wie in unseren Anfangsjahren“, erinnert sich Jean-Luc Busch melancholisch. „Damals hatten wir noch keine Headsets. Da haben wir genauso zusammengearbeitet“, ergänzt Frederic schmunzelnd.
Dass dies auch auf der größten Bühne ihrer bisherigen Schiedsrichterlaufbahn funktionierte, lag vor allem am Vertrauen, das die Brüder über Jahre aufgebaut haben.
Neben den sportlichen Höhepunkten bleibt den beiden vor allem die Unterstützung in Erinnerung. „Wir haben unglaublich viel Zuspruch bekommen“, sagen die Brüder. „Von den Menschen vor Ort, aber auch von Freunden, Vereinskollegen und unserer Familie, die zuhause mitgefiebert haben. Das bedeutet uns sehr viel.“
Ein besonderer Dank gilt dem Deutschen Handballbund, insbesondere Beachhandball-Schiedsrichterwartin Doreen Männich und ihrem Team, die den Weg der beiden Wormser seit Jahren begleiten und fördern. Ebenso bedanken sich die Brüder bei ihrer HSG Worms um den Vorsitzenden Thorsten Schlüter und Schiedsrichterwart Florian Schaaf sowie beim Handballverband Rheinhessen-Pfalz um Ralph Müller (Vizepräsident Schiedsrichterwesen) für die Unterstützung – ohne Sie wäre das Ganze nicht möglich gewesen.
So bleibt am Ende ein Beachhandball-Sommer, den die beiden Wormser niemals sich hätten vorstellen können: erste Länderspiele, Einsätze auf höchstem nationalem Niveau und als krönender Abschluss die Leitung eines deutschen Meisterschaftsfinales.
Oder wie die beiden es treffend zusammenfassen: „Eine unvergessliche Saison als Beachhandball-Schiedsrichter.“
Foto: Andreas Pelger

